Ein kleiner Ratgeber für Serviceproduktionen in Österreich

Sie wollen in Österreich drehen, weil entweder die Geschichte in Österreich spielt oder weil Sie die Landschaft, das Ambiente oder die historischen, weltbekannten Kulissen der Berge oder in Städten wie Wien und Salzburg nützen wollen? Dann sollten sie folgende Tips beachten.

DBAW 

Suchen Sie einen versierten Partner in Österreich – die diversen Filmcommissions in Österreich sind in der Regel sehr hilfreich, denn sie verfügen über große Datenbanken mit diversen Motiven und wissen meist auch, mit welchen Auflagen und Kosten das verbunden sein kann. Sie können sich daher sowohl an die bundesweite Austrian Filmcommission, als auch an diverse lokale Commissions wenden, die größte ist die Vienna Film Commission, aber auch in fast allen anderen Bundesländern werden Sie Ansprechpartner finden. Bei so gut wie allen großen Festivals sind Vertreter dieser Organisationen meist mit einem eigenen Programm – in Berlin etwa mit dem schon legendären Wiener Kaffehaus am Potsdamerplatz – vertreten und stehen für weitere Auskünfte zur Verfügung.

Die andere Variante wäre, sich eine Filmproduktionsfirma als Serviceproduzenten als Partner zu suchen, der auf der einen Seite die Kontakte mit den Filmcommissions herstellt und auf der anderen Seite sehr schnell und konkret eine Machbarkeitsanalyse für Ihr Projekt erstellen kann. Ein Produzent kann Ihnen über das Netzwerk der Commissions hinaus seine Erfahrung mit den organisatorischen Anforderungen und vor allem der budgetären Situation zur Verfügung stellen – und vor allem das Budget ist schließlich bei den meisten Projekten ein nicht zu unterschätzender Faktor.

Beginnen Sie rechtzeitig mit der Planung – je früher Sie mit einem Produzenten in Österreich Kontakt aufnehmen, desto besser für Ihr Projekt. Denn die Möglichkeiten der Finanzierung sind in Österreich leider begrenzt und in manchmal würde es Sinn machen eine Finanzierung über eine Koproduktion zu versuchen, dafür bedarf es aber selektiver Mittel, also Geld aus einem der Fonds das beantragt werden muss. Über die Vergabe entscheidet eine Jury oder Kommission, die in der Regel vier mal pro Jahr tagt. Steueranreizmodelle gibt es in Österreich leider keines, lediglich der FISA (Filmstandort Austria) vergibt Geld, dass fast den Charakter eines Tax Credit Modells hat. Auf den FISA komm ich später noch zurück. Theoretisch unterstützen auch die lokalen Commissions in den Bundesländern Dreharbeiten, aber auch das sind nur begrenzte Budgets und werden über Auswahljurys oder Beiräte vergeben – meist mit langen Vorlaufzeiten. Die Vienna Film Commission selbst kann keine Incentivs vergeben, auch in Wien könnte man, neben dem FISA, Geld über den Wiener Film Fonds bekommen, aber auch dafür brauchen Sie einen österreichischen Produzenten als Partner und über die Vergabe entscheidet eine Jury. Daher, planen Sie lange Vorlaufzeiten und involvieren Sie den österreichischen Produzenten schon im Vorfeld.

Einfacher wird es, wenn Sie sehr viel Geld mit bringen – nun, dann ist es überall einfach – auch da raten wir zu einem österreichischen Produzenten als Partner, denn trotz fehlender Steuermodelle kann er mit entsprechender Vorlaufzeit wird es ihm möglicherweise gelingen Geld aufzutreiben und vor allem hilft er Ihnen, die Dreharbeiten in Österreich kostengünstig und effizient zu gestalten. Wir sind zwar ein kleines Filmland, aber wir verfügen über eine sehr gut ausgebildete Filmwirtschaft, erfahrene Filmschaffende, einen technischen Gerätepark der auf der Höhe der Zeit ist und vom Dreh im Atelier bis zur Aufnahme der Filmmusik in der Synchrostage Vienna (wo die Musik für Crown und .... aufgenommen wurde) bietet Wien und Österreich alles, was Sie für Ihre Produktion benötigen. Vor allem eine atemberaubende Kulisse, egal ob in der Stadt oder am See, an der Donau, in der Steppe oder in den Bergen.

Drehgenehmigungen sind in Österreich in den meisten Fällen Sache der Gemeinde oder der Stadt. Bei kleinen Gemeinden ist es relativ einfach, in größeren Städten wissen die österreichischen Produzenten, welche Behörde hier zuständig ist. Grundsätzlich darf man überall drehen, meist ist der mit Dreharbeiten verbundene Aufwand zu genehmigen – vor allem wenn öffentliche Verkehrsflächen dafür benützt werden müssen. Die Infrastruktur, die Ihnen dafür zur Verfügung steht, entspricht dem, was international üblich ist, vom Stromgenerator bis zum Catering. Nur in Wien ist es ein wenig komplizierter, aber auch hier ist die Erfahrung eines österreichischen Produzenten wichtig für eine perfekte Planung und einen reibungslosen Ablauf der Dreharbeiten. Sehr viele Motive sind übrigens in Privatbesitz. Wenn Sie etwa auf der Burg Lichtenstein drehen wollen – die Burg liegt in der Nähe von Wien und war einst der Stammsitz der Fürsten von und zu Lichtenstein und befindet sich nach wie vor im Besitz der Fürstenfamilie – müssen Sie mit der Gutsverwaltung verhandeln. In den 90er Jahren wurden dort Szenen für die Disney-Verfilmung der 3 Musketiere mit Kiefer Sutherland und Oliver Platt gedreht. Für die Hofburg, die Residenz der Habsburger, die 600 Jahre lang die Könige und Kaiser Österreich gestellt haben, ist die Burghauptmannschaft zuständig (auch dort wurde für die erwähnte Disney Produktion mit großen Aufwand gedreht) und die Großglockner Hochalpenstraße, ein landschaftlich atemberaubendes Motiv in hochalpiner Region, ist zum Beispiel ebenfalls eine Privatstraße und aus Erfahrung wissen wir, dass die Betreibergesellschaft sehr entgegenkommend sind. 

Österreich ist ein Tourismusland, daher ist das Thema Unterkunft nur eine Frage des Budgets und der Revierkenntnis. Oder lassen Sie es mich so formulieren, in einem der Häuser internationalen Hotelketten zu buchen, kann jeder – die wirklich feinen, preisgünstigen und trotzdem komfortablen und wenn gewünscht auch luxuriösen Hotels, kennen wiederum nur die österreichischen Produzenten.

Der Filmstandort Austria, kurz FISA, ist das einzige Finanzierungsmodell, dass in etwa einem Tax Credit Modell entspricht. Für internationale Produktionen können aber nur dann Anträge gestellt werden, wenn das Gesamtbudget der Produktion mehr als 4 Millionen Euro ausmacht und wenn in Österreich mindestens 400.000 Euro ausgegeben werden. Von den Ausgaben in Österreich werden etwa 20% durch den FISA finanziert, Voraussetzung ist, dass ein österreichischer Produzent den Antrag stellt und nach Ende der Produktion auch abrechnet. Die Mittel werden in Tranchen ausbezahlt, nach dem Rohschnitt ist ein erster Kostenstand mit Belegen vorzulegen. Auch hier kann Ihnen der österreichische Produzent zur Seite stehen, um die Ausgaben in Österreich effizient und möglichst budgetwirksam zu gestalten. Manchmal hilft es, notwendige Ausgaben z.B. in das Equipment, die ohnehin angefallen wären, in Österreich zu machen, um so den Schwellenwert für die Förderung durch den FISA zu erreichen, um dann in den Genuss einer Förderung zu kommen.

Wie finden Sie nun einen solchen Produzenten – suchen Sie jemand mit Erfahrung, mit Know How, jemand mit dem Sie arbeiten möchten und können. Wahrscheinlich sind die Suchmaschinen im Netz kein schlechter Anfang, um auf die Suche zu gehen, Stichwort: Service Produzent, Wien;

(da kommen wir an erster Stelle)